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AlexanderPlatz/Forum Hotel - start: 14.05 Uhr
14.07 Uhr
Kommentar während des Wartens
Ein Fahrradfahrer ruft im vorbeifahren: "Wissen ist Macht ! "
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AlexanderPlatz/Forum Hotel - start: 14.05 Uhr
14.10 Uhr - 17.00 Uhr
mittelmässig drauf
bewölkt, 17°C
50-100 vorbeifahrende Fahrzeuge
Auto, Insassen= 1; männlich, 18-30 Jahre alt
"Ich glaube an ganz viele Sachen. Jeder glaubt an irgendetwas. Glaube ist ein
Lebensbaustein, ein Akku. Religionen sind einfach, simpel, du glaubst und es
wird gut. Der Glaube an Gott bestimmt das Leben der Gläubigen.
Glaube ist Sicherheit und ein Weg.
Das ist die Hausbar, meine Stammnachtbar. Das ist ein Ort der für mich
mit Glaube zu tun hat, hier wirst du immer bewacht, weil nebenan die Synagoge
ist.
Glaube ist ja nicht nur Religion. Das ist der einfachste Teil. Glauben an Regeln,
Glaube an Familie. Glaube ist glaube ich immer an etwas konkretes gebunden.
Beziehungen haben auch was mit Glauben zu tun.
Du hast nie eine Sicherheit, du glaubst nur dran. Es gibt eigentlich niemanden
der nichts glaubt, denn auch die glauben an sich selbst.
Ich glaube nicht an Religion. Als Kind schon. Ich bin evangelisch erzogen, getauft
und konformiert. Kirche in der DDR, wo ich gross geworden bin, war Opposition.
Ich war in der jungen Gemeinde in Jena, da wo sich die Friedensbewegung formiert
hat. Das war schon eine gute Zeit.
Eigentlich war der Glaube von meinen Eltern aufgedrückt.
Ich glaube mehr an Energien, an energetische Punkte in der Welt. An mentale
Verbindungen von Leuten, an Telepatie. Religiös gesehen bin ich Atheist.
Meine Oma hat immer Glaube und Heimat gelesen. Die Zeitschrift gibt es immer
noch, solltest du mal angucken."
Wir fahren zu zwei Freunden von ihm, die gerade an einem Internetentertainmentkonzept
arbeiten. Wir trinken Kaffee und ich helfe die email- accounts zu konfigurieren.
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Danziger Str. 25 - start: 17.00 Uhr
17.30 Uhr - 17.35 Uhr
Kommentar während des Wartens
"Was suchen sie? Den Glauben? Was ist das Glaube ? Ah, jetzt verstehe ich.
Ich glaube nur an den Islam. Ich kann dir das nicht richtig erklären.
In Neukölln gibt es drei Moscheen, geh dort mal hin, da gibt es viele Leute
die besser sprechen als ich. Mein Deutsch ist nicht so gut. Im Islam gibt es
viele schwere Wörter, im Koran, in unserem Buch.
Geh in die Moschee Nurr in Neukölln. Ich gehe einmal die Woche in die Moschee,
am Freitag.
Islam ist nicht nur arabisch. Der Islam ist international, gibts in Malaysia,
in Indonesien, in China und in Deutschland auch.
Es gibt drei Religionen in der Welt: jüdisch, christlich, Islam.
Buddhismus ? Nee das ist keine Religion. Das ist ein Mann, ein Arschloch, das
ist nicht Religion. Ich bete nicht für einen Mann! Ich bin nicht verrückt
! Es gibt drei Religionen in der Welt: jüdisch, christlich, Islam, alle
Leute wissen das. Buddha oder Hendusa (?) oder so, das ist alles scheisse. Hendusa
essen nicht das reine Fleisch, die essen Schweinefleisch.
Du kannst nicht sagen hier, stop jetzt und sagen du machst keinen Unfall. Du
machst sowieso einen Unfall wenn du jetzt auf die Strasse läufst, weil
die Autos nicht mehr bremsen können. Du musst im Kopf denken.
Was ist Buddha? Ich bin doch nicht verrückt. Glaube an einen Mann oder
Papa oder was? Ich bin doch nicht verrückt.
Ciao ich muss jetzt weiter."
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Danziger Str. 25 - start: 17.00 Uhr
17.45 Uhr - 19.35 Uhr
mittelmässig drauf
bewölkt, 16°C
100-200 vorbeifahrende Fahrzeuge
Auto, Insassen= 1; männlich, 40-50 Jahre alt
"Ich wollte Fragen wo sie eigentlich hinmöchten. Ich bin nämlich
gerade schon mal hier vorbei gefahren.
Ich bin auch Christ, wenn du auch an Jesus Christus glaubst denke ich sind wir
Brüder.
Ich bin nicht in einer grossen Kirche, ich bin in einer kleinen Gemeinde in
Hellersdorf. Wir sind bibelgläubige Christen. Das Vorbild ist die Urchristenheit.
Die Bibel setzt Rahmenbedingungen für die Gemeinde. Der weitere Inhalt
muss dann ausgefüllt werden. Man kann nicht sagen so wie vor 50, 100, 1000
Jahren war so muss es auch heute sein. Das geht nicht.
Wir haben zum Beispiel keine Kirche und nicht so viel Verwaltungsapparat wie
die grossen Kirchen und müssen dadurch auch nicht so viel investieren.
Wir treffen uns in einer ehemaligen Kita, das ist jetzt ein Nachbarschaftshaus
und ausser uns sind noch verschiedene andere gemeinnützige Projekte dort
untergebracht.
Ich bin Christ, sage ich mal in Anführungsstrichen, durch meine Eltern.
Obwohl es das nicht gibt, ich das bewusst auch nicht so sehe und auch von meinen
Kindern nicht so will. Ich erziehe meine Kinder im christlichen Glauben und
möchte sie über die Bibel dahin führen auch komplexere Dinge
zu verstehen.
Meine Eltern waren in der Lutherbewegung innerhalb der christlichen Freikirchen.
Die Luther Bewegung hat sich 1840, teilweise unter Schmerzen von der grossen
Kirche gelöst.
Die Theologen die zu dieser Zeit gelehrt haben waren sicher auch grosse Geister,
vielleicht vergleichbar mit Paulus. Es ist aber immer gefährlich, wenn
man einen als grossen Lehrer hinstellt und verehrt. Deren Formen sind quasi
seit 150 Jahren konserviert.
Ich war da bis ich so 20 war. Dann sind viele Sachen für mich in Frage
gekommen. Ich bin nun auch Ossi und es gab nicht viele Alternativen. Ich bin
bin auch nicht der grosse Einzelkämpfertyp, ich brauche Gemeinschaft, damals
noch mehr als jetzt.
Jetzt kann ich Sachen mit grösserem Abstand sehen. Damals ging es mir vielfach
nicht gut, weil ich Fragen hatte und vielfach schon wusste was unter den älteren
Glaubenbrüdern als Antwort kommen würde. Das hat ja nichts gebracht.
Und dann plätscherte das so dahin, ich habe geheiratet und Punkt zur Wende
sind wir mit einer amerikanischen Missionsarbeit zusammengetroffen. Wir waren
denen gegenüber anfangs sehr skeptisch. Dann habe wir aber angefangen Bibel
zu lesen und uns Gedanken gemacht wie eine Gemeinde aussehen könnte. Anfangs
waren wir vier Familien mittlerweile sind wir sechzig bis siebzig Personen.
Wir treffen uns jeden Sonntag zum Gottesdienst, die sind ziemlich lang und haben
keinen festen zeitlichen Rahmen. Wenn wir Lust haben länger zu singen oder
zu reden dann machen wir das auch.
Darüber hinaus haben wir auch einen Volkshochschulkurs, den einer unserer
Missionare leitet, der auch eine akademisch-theologische Ausbildung hat. Das
ist so eine Art Bibeleinsteigerkurs.
Gottesdienst ist bei uns immer Sonntags um 9.30 Uhr.
Wir machen ein chronolgisches Bibelstudium, das geht über eineinhalb Jahre,
wir treffen uns vierzehntägig. Da fangen wir am Anfang der Bibel an, wir
gehen nicht alle Seiten der Bibel durch aber wir behandeln die grossen Themen.
Danach wird man wissen was die roten Linien sind, was das Grundanligen ist.
Da nehmen auch Nichtchristen teil.
Die Bibel besteht ja aus etwa vierzig Büchern. Anfangs wirkt das ja sehr
zerrissen. Es gibt aber dicke, fette rote Linien die durch die Bibel hindurchgehen.
Einerseits die Geschichte Israels, die aber andererseits nur Vehikel ist andere
Geschichten rüberzu bringen. Die Wiklichkeit, das macht übrigens auch
meinen Glauben aus, dass es einen Gott gibt und dass er sich bekannt macht.
Seine Person wird bildhaft an der Geschichte Israels. Wir fragen in der Bibelstunde,
warum hat Gott den Mensch gemacht, was war sein Anliegen. Gerade die ersten
Kapitel der Bibel, es sit von unendlicher Weissheit. Auch wenn man am Ende nicht
daran glaubt, muss man sagen dass da ein Konzept vorhanden ist was sehr faszinierend
ist.
Es beleuchtet auch uns heute, wie wir leben, warum wir in solchen Problemen
stecken. In der Bibel kann ich da interessante Hinweise finden.
Ab November/Dezember werden wir uns zu einer neuen Gruppe zusammensetzen. Es
sind so 50 Lektionen. Ich will weniger. Es gibt andere die 20 daraus gemacht
haben, das ist mir aber zu wenig. Es hat keinen Sinn Wahrheiten, die tausende
Jahre gebraucht haben sich zu entwickeln, nun zu instant Nahrung herunter schrauben
zu wollen, wie es ja heutzutage sehr beliebt ist. Es dauert einfach ein bis
eineinhalb Jahre."
Sein zwölfjährige Tochter kommt vom Harfe-Unterricht zurück und
wir fahren mit Zwischenstopps bei Mac Donalds und Führung durch das Krankenhausgelände
wo er arbeitet zum Nachbarschaftshaus in der Kastanienalle 53/55 in Marzahn.
Als wir an der Ampel stehen bitte ich sie eines der modernere Kirchenlieder
zu singen und das klingt super.
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Landsberger Allee / Kalusdorfer Str. - start:20.00 Uhr
Es wird finster an der Nordöstlichen Stadtgrenze von Berlin.
Die vorbeifahrenden Autos verwandeln sich in schwarze Klumpen mit hellen Augen.
Ich kann die Fahrer nicht mehr sehen, aber sie mich.
Das ist unangenehm. Um 20.40 Uhr breche ich ab und fahre mit der Tram nach Hause.
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Alle Texte sind Teil von ExpeditionBerlin
(http://www.tourist-research.de/ExpeditionBerlin)
Veröffentlichung nur nach Rücksprache mit tourist
research / Philip Horst